70 Einsatzkräfte, 25 Mimen und ein halbes Dutzend Übungspuppen machen ein außergewöhnliches Szenario in Unterasbach möglichst realistisch.
Es ist ein ganz normaler Tag auf einem Straßenfest. Menschen stehen zusammen, unterhalten sich, genießen das Beisammensein. Kinder laufen zwischen den Ständen umher, und niemand ahnt, dass sich die entspannte Stimmung innerhalb weniger Sekunden dramatisch verändern könnte.
Plötzlich verliert ein Autofahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug. Er hat während der Fahrt einen medizinischen Notfall erlitten und fährt mit seinem Wagen in die Menschenmenge. Ein Radfahrer wird erfasst, weitere Personen stürzen zu Boden. Schließlich kollidiert das Auto mit einem weiteren Fahrzeug, das durch den Aufprall auf die Seite kippt.
Schreie, Verletzte und eine unübersichtliche Lage: Was eben noch ein fröhliches Straßenfest war, wird innerhalb kürzester Zeit zum Schauplatz eines Großeinsatzes.
Glücklicherweise ist all das nur ein Übungsszenario. Am Samstag, den 10. Oktober, verwandelte sich ein Bereich in Unterasbach in die Kulisse einer organisationsübergreifenden Großübung, die von der Feuerwehr Oberasbach gemeinsam mit dem BRK Oberasbach organisiert wurde.
Ein Szenario, das den Einsatzkräften alles abverlangt
Als die ersten Einsatzkräfte an der angenommenen Unfallstelle eintreffen, bietet sich ihnen ein herausforderndes Bild. Zahlreiche verletzte Personen müssen versorgt werden, die Situation ist zunächst unübersichtlich und die Zeit drängt. Rund 25 Mimen stellen die Verletzten dar. Mit geschminkten Wunden, täuschend echt dargestellten Verletzungsmustern und ihrer schauspielerischen Leistung sorgen sie dafür, dass die Einsatzkräfte möglichst realitätsnah arbeiten müssen. Ergänzt wird das Szenario durch ein halbes Dutzend Übungspuppen, mit denen weitere Verletzungssituationen dargestellt werden.
Von leichten Verletzungen bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen ist alles dabei. Einige Betroffene können selbst auf sich aufmerksam machen, andere benötigen dringend Hilfe. Die Einsatzkräfte müssen sich zunächst einen Überblick verschaffen, Gefahren erkennen und entscheiden, wer zuerst behandelt werden muss.
In der Fachsprache wird eine solche Lage als Massenanfall von Verletzten (MAN) bezeichnet. Dabei kommt es nicht allein auf die medizinische Versorgung an. Ebenso wichtig sind eine strukturierte Sichtung der Betroffenen, die Koordination der Rettungsmittel und eine funktionierende Kommunikation zwischen allen Beteiligten.
Während sich der Rettungsdienst um die Sichtung und Versorgung der Verletzten kümmert, übernimmt die Feuerwehr unter anderem die technische Rettung aus den verunglückten Fahrzeugen. Jeder Handgriff muss sitzen, Informationen müssen weitergegeben und die einzelnen Maßnahmen miteinander abgestimmt werden.
Viele Organisationen, ein gemeinsamer Auftrag
Insgesamt sind 70 Einsatzkräfte an der Übung beteiligt. Neben der Feuerwehr Oberasbach und dem BRK Oberasbach wirken auch der Rettungsdienst, die San-EL, ein Notarzt, die Integrierte Leitstelle Nürnberg, die Polizeiinsktion Stein, die Kreisbrandinspektion und die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) mit.
Jede Organisation bringt ihre eigenen Aufgaben und Fähigkeiten ein. Die Leitstelle nimmt Informationen auf und unterstützt die Koordination, die Polizei übernimmt ihre Aufgaben im Zusammenhang mit der Unfalllage, und die Kreisbrandinspektion begleitet die übergeordneten Führungs- und Abstimmungsprozesse. Die PSNV steht für die psychosoziale Unterstützung in belastenden Einsatzsituationen.
Gerade bei einer solchen Lage zeigt sich, wie entscheidend das Zusammenspiel aller Beteiligten ist. Es reicht nicht aus, wenn jede Organisation für sich gute Arbeit leistet. Die einzelnen Maßnahmen müssen ineinandergreifen, Informationen müssen zuverlässig fließen und Entscheidungen rechtzeitig getroffen werden.
Genau das soll eine solche Übung sichtbar machen: Was funktioniert bereits gut? Wo müssen Abläufe noch besser aufeinander abgestimmt werden? Und wie gelingt es, auch bei einer großen Zahl von Verletzten den Überblick zu behalten?
Monate der Vorbereitung für wenige Stunden Übung
Hinter dem Übungstag steckt eine umfangreiche Vorbereitung. Bereits Monate zuvor begannen die Planungen, das Szenario wurde ausgearbeitet, Abläufe wurden abgestimmt und die Rahmenbedingungen für die Durchführung geschaffen. Neben den beteiligten Organisationen waren auch zahlreiche helfende Hände gefragt.
Denn damit eine Übung möglichst realistisch ablaufen kann, braucht es weit mehr als Einsatzfahrzeuge und Ausrüstung. Die Mimen müssen vorbereitet und betreut, Verletzungen dargestellt, Bereiche eingerichtet und die Versorgung aller Mitwirkenden organisiert werden. Erst durch dieses Zusammenspiel entsteht eine Übungssituation, in der die Einsatzkräfte gefordert sind, wie sie es auch bei einem realen Ereignis wären.
Die 25 Mimen leisten dabei einen wichtigen Beitrag. Sie machen die Lage für die Einsatzkräfte greifbar und sorgen dafür, dass nicht nur technische Abläufe, sondern auch der Umgang mit verletzten und betroffenen Menschen trainiert werden kann.
Üben, damit im Ernstfall jeder Handgriff sitzt
Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass eine erfolgreiche Gefahrenabwehr weit über das schnelle Eintreffen am Einsatzort hinausgeht. Gerade bei einem Ereignis mit vielen Verletzten sind klare Strukturen, eine gute Kommunikation und die Zusammenarbeit unterschiedlicher Organisationen entscheidend.
Die Großübung in Unterasbach bietet allen Beteiligten die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln, Abläufe zu überprüfen und voneinander zu lernen. Denn niemand kann vorhersagen, wann und wo ein vergleichbares Ereignis tatsächlich eintreten wird. Umso wichtiger ist es, vorbereitet zu sein.
Die Feuerwehr Oberasbach bedankt sich bei allen beteiligten Organisationen, den 70 Einsatzkräften, den 25 Mimen, den Helferinnen und Helfern sowie allen weiteren Unterstützenden, die diese Großübung ermöglicht haben.
Was an diesem Tag glücklicherweise nur gespielt wurde, könnte im Ernstfall Realität werden. Dann zählt jede Minute – und vor allem das Zusammenspiel aller, die helfen.